Lebensleistungsrente

Definition

Folgende Definition könnte die Lebensleistungsrente bescheiben:
Es handelt sich um eine aus Steuergeldern finanzierte, staatliche Aufstockung der Altersrente für diejenigen Menschen, die trotz langer rentenversicherungspflichtiger Erwerbstätigkeit im Alter nicht über eine ausreichende Rente zur Deckung des Lebensunterhalts verfügen.

Was ist die Lebensleistungsrente?

Nach den Vorstellungen der Bundesregierung soll es sich dabei um eine Aufstockung der Altersrente handeln, die aus Steuereinnahmen finanziert wird, also beitragsunabhängig ist. Die Menschen sollen von der Lebensleistungsrente profitieren, die trotz eines langen Arbeitslebens und damit verbundener Beitragszahlung in der Gesetzlichen Rentenversicherung nicht genügend Altersente zur Deckung des eigenen Lebensunterhalts beziehen. Entwickelt wurde sie von der Bundesarbeitsministerin Von der Leyen. Ihr Vorgängermodell war die sogenannte Zuschussrente.

Warum soll die Lebensleistungsrente eingeführt werden?

Die Lebensleistungsrente ist konzipiert worden, um die Armut im Alter einzudämmen. Der gesellschaftliche Wandel hat dazu geführt und wird in Zukunft noch stärker dazu führen, dass im Alter immer mehr Menschen lediglich eine sehr geringe Rente erhalten. Und das, obwohl sie viele Jahre Beiträge zur Gesetzliche Rentenversicherung geleistet haben. Bei den von der Altersarmut bedrohten Menschen handelt es sich besonders um Frauen, die während der Kindererziehung nicht sozialversicherungspflichtig oder nur teilzeitbeschäftigt waren. Bedroht von Altersarmut sind auch Geringverdiener. Sie haben sich während ihrer Berufstätigkeit nur einen sehr niedrigen Rentenanspruch erwirtschaften können. Hintergrund ist, dass Höhe des Rentenanspruchs mit der Höhe der in die Rentenkasse eingezahlten Beiträge korrespondiert. Es hat somit nicht nur die Zahl der Beitragsjahre, sonder auch das Arbeitsentgelt Einfluss auf die Höhe der zu erwartenden Rente. Sehr viele Geringverdiener verfügen aus diesem Grund nicht über eine zur Deckung ihres Lebensunterhalts ausreichende Rente.

Voraussetzungen der Lebensleistungsrente

Die Lebensleistungsrente ist an enge Voraussetzungen geknüpft, so dass die Zahl der Berechtigten eher überschaubar sein wird.

Beitragsjahre

Die Lebensleistungsrente setzt voraus, dass man 30 Jahre lang Beiträge in die Rentenkasse eingezahlt hat. Der Rentenkasse gleichgestellt ist eine sonstige öffentlich-rechtliche Alterssicherung. Die Zahl der Versicherungsjahre muss mindestens 40 Betragen. Zu den Versicherungsjahren werden auch Zeiten der Ausbildung, Arbeitslosigkeit oder Krankheit gerechnet. Gleiches gilt für Zeiten der Kindererziehung und Pflege. Letztere Zeiten werden sogar höher bewertet. Ab dem Jahr 2018 setzt die Lebensleistungsrente voraus, dass man 35 Beitragsjahre und 45 Versicherungsjahre nachweisen kann. Hintergrund: Man kann sich jetzt schon auf die neue Rechtslage einstellen.

Anrechnung von Einkommen

Renten aus der privaten Vorsorge, etwa der betrieblichen Altersversicherung oder der Riester-Rente oder Rürup-Rente, werden nicht auf die Lebensleistungsrente angerechnet. Allerdings muss eine private Altersvorsorge vorhanden sein. Angerechnet wird hingegen das Einkommen des Ehepartners oder Lebenspartners.

Private Altersvorsorge

Eine Voraussetzung der Lebensleistungsrente ist eine private Altersvorsorge. Einen Anspruch auf die Rente hat nur, wer 35 Jahre privat für das Alter vorgesorgt hat. Eine private Altersvorsorge ist etwa eine betriebliche Altersvorsorge in Form eine Betriebsrente oder die Riester-Rente.

Bis zum Jahr 2023 reicht der Nachweis von fünf Jahren privater Altersvorsorge. Hintergrund: die Riester-Rente gibt es noch nicht lange genug, um auf 35 Jahr zu kommen. Und eine betriebliche Alterssicherung bietet nicht jeder Arbeitgeber an.

Aufstockung

Wer nur eine niedrige Altersrente bezieht und die Voraussetzungen für die Lebensleistungsrente erfüllt, dessen Rentenbeiträge werden aufgewertet, und zwar wie folgt: Kinderlose bekommen eine Aufwertung um 50 Prozent.

Mütter oder Väter erhalten eine Aufwertung um 150 Prozent.

Diese Aufwertung gilt allerdings nur für Beiträge, die ab 1992 in die Rentenkasse eingezahlt wurden.

Obergrenze der Aufstockung sind 850 Euro.

Beginn der Lebensleistungsrente

Ab wann es die neue Rentenform gibt, steht noch nicht fest. Sie soll allerdings noch vor der Bundestagswahl 2017 Gesetz werden

April 2015: Noch nicht viel Konkretes zur neuen solidarischen Lebensleistungsrente oder Solidarrente

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat im Bundestag eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung zur geplanten Lebensleistungsrente gestellt.

Diese wurde nun durch die Regierung beantwortet. Wir geben die Antwort nachfolgend wörtlich wieder. (Quelle: BT-Ds 18/4558).

"

Ziel und Ausgestaltung der solidarischen Lebensleistungsrente

Vorbemerkung der Fragesteller

Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD ist eine solidarische Lebensleistungsrente vereinbart, die Altersarmut verhindern und Lebensleistung würdigen soll. Die Einführung wird nach Angaben der Bundesregierung aber nur dann erfolgen, wenn ausreichend finanzielle Spielräume vorhanden sind (...). Restriktive Anspruchsvoraussetzungen wie etwa eine zusätzliche Altersvorsorge, ein hoher Verwaltungsaufwand durch mehrstufige Prüfungen und nicht zuletzt die mutmaßlich geringe Höhe der Leistung würden außerdem dazu führen, dass bei nur sehr wenigen Rentnerinnen und Rentnern der Bezug von Grundsicherung im Alter vermieden werden kann. Als ein Instrument der Verhinderung von Altersarmut müsste sich die solidarische Lebensleistungsrente zudem daran messen lassen, inwiefern es ihr gelingt, das Risiko von Einkommensarmut zu minimieren.

Vorbemerkung der Bundesregierung

Es ist zutreffend, dass die Finanzierung der solidarischen Lebensleistungsrente nach Angaben der Bundesregierung (...) unter Beachtung des allgemeinen Finanzierungsvorbehalts im Rahmen der vorhandenen finanziellen Spielräume erfolgen soll. Darüber hinaus hat die Bundesregierung jedoch keine Aussagen zur konkreten Ausgestaltung der Anspruchsvoraussetzungen, zum Verwaltungsaufwand, zur Höhe der solidarischen Lebensleistungsrente oder zum Kreis der anspruchsberechtigten Rentnerinnen und Rentner getroffen. Auch hat die Bundesregierung bisher keine Maßstäbe definiert, anhand derer der Erfolg der solidarischen Lebensleistungsrente bewertet werden soll.

Die Ausführungen in der Vorbemerkung der Fragesteller geben insofern deren Auffassung und nicht die der Bundesregierung wieder."

Die "Grünen" wollten zunächst folgendes wissen:

"1. Wann wird die Bundesregierung entscheiden, ob die finanziellen Spielräume für die Einführung einer solidarischen Lebensleistungsrente vorhanden sind?

2. Welche Ziele verfolgt die solidarische Lebensleistungsrente, und wie würde die Bundesregierung die Ziele "Vermeidung von Grundsicherungsbezug", "Vermeidung von relativer Einkommensarmut" und "Würdigung von Lebensleistung" bezogen auf diese Leistung gewichten?

3. Wie viele Beitragsjahre (wobei auch bis zu fünf Jahre Anrechnungszeiten aufgrund von Arbeitslosigkeit als Beitragsjahre gelten sollen) müssen Neurentnerinnen und -rentner nachweisen, um die geplante solidarische Lebensleistungsrente in Anspruch nehmen zu können, und wie viele Versicherungsjahre aus zusätzlicher Altersvorsorge sind als Zugangsvoraussetzung vorgesehen?

4. Sollen bei der geplanten "Einkommensprüfung" die Zeiten mit unterdurchschnittlichem Entgelt wie bei der "Rente nach Mindestentgeltpunkten" nach § 262 des Sechsten Buches Sozialgesetzbuch (SGB VI) ermittelt und aufgewertet werden? Wenn nein, welche Alternativen wären nach Ansicht der Bundesregierung denkbar?

5. Ist ausgeschlossen, dass Renten nach einer erfolgten Aufwertung auch eine Höhe von mehr als 30 Entgeltpunkten erreichen können, oder würde die Aufwertung bei maximal 30 Entgeltpunkten "gekappt" werden?

Die Fragen 1 bis 5 werden wegen des Sachzusammenhangs gemeinsam beantwortet.

Nach dem Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD sollen sich Lebensleistung und langjährige Beitragszahlung in der Sozialversicherung auszahlen und dafür voraussichtlich bis 2017 eine solidarische Lebensleistungsrente eingeführt werden. Die Verbesserung soll vor allem Geringverdienern und Menschen zugute kommen, die Angehörige gepflegt und Kinder erzogen haben.

Durch eine Aufwertung der erworbenen Entgeltpunkte sollen nach dem Koalitionsvertrag diejenigen bessergestellt werden, die langjährig in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert waren, Beiträge gezahlt haben (40 Jahre) und im Alter dennoch über weniger als 30 Entgeltpunkte Alterseinkommen (Einkommensprüfung) verfügen. Bis 2023 sollen durch eine Übergangsregelung insbesondere die Erwerbsbiografien der Menschen in den neuen Ländern berücksichtigt werden, indem für sie bereits 35 Beitragsjahre genügen. In jedem Fall sollen bis zu fünf Jahre Arbeitslosigkeit wie Beitragsjahre behandelt werden. Danach soll zusätzliche Altersvorsorge als weitere Anspruchsvoraussetzung erforderlich sein. Wer trotz dieser Aufwertung nicht auf eine Rente aus 30 Entgeltpunkten kommt und bedürftig ist (Bedürftigkeitsprüfung), soll in einer zweiten Stufe einen entsprechenden Zuschlag erhalten. Die Finanzierung soll aus Steuermitteln erfolgen, unter anderem dadurch, dass Minderausgaben in der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung als Steuerzuschuss der Rentenversicherung zufließen, sowie durch Abschmelzung des Wanderungsausgleichs.

Die Entscheidung, wie die Bundesregierung diese Aussagen aus dem Koalitionsvertrag zur Einführung, konkreten Ausgestaltung und Finanzierung einer solidarischen Lebensleistungsrente umsetzen wird, ist noch nicht gefallen."

Weitere Fragen der Fraktion waren:

"

6. Wie viele Versicherte mit 35 Beitragsjahren (wobei auch bis zu fünf Jahre Anrechnungszeiten aufgrund von Arbeitslosigkeit als Beitragsjahre gelten sollen)

a) hätten nach heutigem Stand einen Anspruch auf eine Aufwertung und

b) würden eine Rente in Höhe von mindestens rund 30 Entgeltpunkten erreichen, wenn jeweils Zeiten mit unterdurchschnittlichem Entgelt wie bei der "Rente nach Mindesteinkommen" ermittelt und aufgewertet würden?"

Die Bundesregierung antwortete, das Daten in der gewünschten Abgrenzung in den Statistiken der Deutschen Rentenversicherung nicht vorlägen.

Die nächsten Fragen lauteten:

"7. Soll bei der geplanten "Bedürftigkeitsprüfung" dieselbe Regelung zur Einkommens- und Vermögensanrechnung zur Anwendung kommen wie bei der Grundsicherung im Alter, und wer genau soll die "Bedürftigkeitsprüfung" vornehmen? Wenn nein, welche Alternativen wären nach Ansicht der Bundesregierung denkbar?

8. Kann die Bundesregierung versichern, dass es die solidarische Lebensleistungsrente nur mit beiden Prüfverfahren der Aufwertung (nach "Einkommensprüfung") und des Zuschlags (nach "Bedürftigkeitsprüfung") geben wird, oder ist es auch möglich, dass auf den Zuschlag komplett verzichtet wird?

9. Warum werden bei der zum 1. Juli 2014 eingeführten abschlagsfreien Rente ab 63 Jahren Zeiten, in denen Arbeitslosengeld I oder Teilarbeitslosengeld oder Leistungen der beruflichen Weiterbildung bezogen wurden, mit Ausnahme der letzten zwei Jahre vor Rentenbeginn, unbegrenzt berücksichtigt, während bei der solidarischen Lebensleistungsrente dem Koalitionsvertrag zufolge nur maximal fünf Jahre Arbeitslosigkeit wie Beitragsjahre behandelt werden?

10. Kann die Bundesregierung ausschließen, dass, anders als bei der abschlagsfreien Rente ab 63 Jahren, bei der solidarischen Lebensleistungsrente Zeiten der Dauer- und Langzeitarbeitslosigkeit (Bezug von Arbeitslosengeld II oder Arbeitslosenhilfe) berücksichtigt werden?

11. Gibt es Überlegungen seitens der Bundesregierung analog zur Regelung der abschlagsfreien Rente ab 63 Jahren auch bei der solidarischen Lebensleistungsrente Zeiten des Arbeitslosengeldbezugs in den letzten zwei Jahren vor der solidarischen Lebensleistungsrente nicht mitzuzählen (so genannte rollierende Stichtagsregelung), und wenn nein, warum nicht?"

Die Bundesregierung verwies als Antwort auf ihre Antwort zu den Fragen 1 bis 5.

Die nächste Frage lautete:

"12. a) Wie viele Rentnerinnen und Rentner im Rentenzugang des Jahres 2014 erhalten derzeit eine Monatsrente mit weniger als 860 Euro in Westdeutschland bzw. 792 Euro in Ostdeutschland, obwohl sie über 35 Beitragsjahre (wobei auch bis zu fünf Jahre Anrechnungszeiten aufgrund von Arbeitslosigkeit als Beitragsjahre gelten sollen) in der gesetzlichen Rentenversicherung verfügen?"

Hierzu erklärte die Bundesregierung, dass Daten in der gewünschten Abgrenzung in den Statistiken der Deutschen Rentenversicherung nicht vorliegen.

Weitere Fragen mit Antwort:

"b) Wie hat sich eine Nettorente aus 30 Entgeltpunkten seit dem Jahr 2005 entwickelt (bitte nach Ost- und Westdeutschland getrennt ausweisen)?

Der Zahlbetrag einer Rente aus 30 Entgeltpunkten nach Abzug der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung seit dem Jahr 2005 ist der nachstehenden Tabelle zu entnehmen.

Zahlbetrag einer Rente aus 30 Entgeltpunkten im Jahresdurchschnitt (in Euro)
Jahr alte Länder neue Länder
2005 712,47 627,68
2006 710,90 626,31
2007 709,97 625,29
2008 714,10 628,99
2009 725,26 640,40
2010 735,11 652,15
2011 736,31 653,21
2012 748,02 663,85
2013 756,20 681,54
2014 763,47 701,31

Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, eigene Berechnungen

c) Kann die Bundesregierung ausschließen, dass mit der zusätzlichen Altersvorsorge als Zugangsvoraussetzung für die solidarische Lebensleistungsrente ab dem Jahr 2023 sowohl die betriebliche als auch die geförderte und ungeförderte private Altersvorsorge gemeint ist?

Es wird auf die Antwort zu den Fragen 1 bis 5 wird verwiesen.

13. a) Wie hoch ist der durchschnittliche Grundsicherungsbedarf im Alter (bitte nach Ost- und Westdeutschland getrennt ausweisen)?

b) Wie hat sich der durchschnittliche Grundsicherungsbedarf im Alter seit dem Jahr 2005 entwickelt (bitte nach Ost- und Westdeutschland getrennt ausweisen)?

Die durchschnittlichen Brutto- und Nettobedarfe von Leistungsberechtigten in der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung ab der Regelaltersgrenze in und außerhalb von Einrichtungen getrennt nach Ländern in den Jahren 2005 bis 2013 sind tabellarisch in der Anlage aufgeführt.

Der Bruttobedarf ergibt sich aus der Summe aller für Leistungsberechtigte in der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach § 42 SGB des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch (SGB XII) regelmäßig anzuerkennenden individuellen Bedarfe. Dies sind: – der Regelsatz nach den Regelbedarfsstufen der Anlage zu § 28 SGB XII, – die Bedarfe für Unterkunft und Heizung nach § 35 SGB XII, – die Mehrbedarfe nach § 30 SGB XII, – die Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung nach § 32 SGB XII sowie für die Vorsorge nach § 33 SGB XII.

Der Nettobedarf ergibt sich aus dem Bruttobedarf abzüglich des angerechneten (von absetzbaren Beträgen bzw. Freibeträgen bereinigten) individuellen Einkommens.

c) Wie verteilen sich die laufenden monatlichen Bruttobedarfe der Grundsicherung im Alter über die Kategorien "bis 600 Euro", "600 Euro bis 800 Euro", "800 Euro bis 1000 Euro", "1000 Euro bis 1250 Euro" und "ab 1250 Euro"?

Die Anzahl der Leistungsberechtigten in der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung ab der Regelaltersgrenze in und außerhalb von Einrichtungen am 31. Dezember 2013 nach den jeweiligen Bruttobedarfen ist in der nachfolgenden Tabelle aufgeführt.

Leistungsberechtigte in der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung ab Regelaltersgrenze in und außerhalb von Einrichtungen am 31. Dezember 2013, differenziert nach Bruttobedarf

Leistungsberechtigte insgesamt unter 600 Euro 600 Euro bis unter 800 Euro 800 Euro bis unter 1000 Euro 1000 Euro bis unter 1250 Euro ab 1250 Euro
499295 100673 239777 127468 27399 3978

Quelle: Statistisches Bundesamt

d) Wie viele Bezieherinnen und Bezieher von Grundsicherung im Alter erhalten zusätzliche monatliche Leistungen etwa aufgrund von atypischen laufenden (wiederkehrenden) Bedarfen, für kostenaufwendige Ernährung oder für dezentral zubereitetes Warmwasser, und wie hoch ist der durchschnittliche Geldbetrag unter all denjenigen, die einen Mehrbedarfszuschlag erhalten?

Den leistungsrechtlichen Begriff "atypische laufende (wiederkehrende) Bedarfe" gibt es im SGB XII nicht. Eine ähnliche Formulierung ("unabweisbarer, laufender, nicht nur einmaliger besonderer Bedarf") wird im SGB II für die so genannte Härtefallklausel des § 21 Absatz 6 SGB II (Anerkennung eines Mehrbedarfs im Einzelfall) verwandt, der dort die Funktion der abweichenden Regelsatzfestsetzung im SGB XII übernimmt. Die abweichende Regelsatzfestsetzung wurde bislang im SGB XII nicht statistisch erfasst. Der Bundesregierung liegen daher keine Zahlen zur abweichenden Regelsatzfestsetzung vor.

Im Dezember 2013 erhielten nach der Statistik des Statistischen Bundesamts für die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung 9322 Leistungsberechtigte ab Erreichen der Regelaltersgrenze in und außerhalb von Einrichtungen einen Mehrbedarf für kostenaufwändige Ernährung in Höhe von durchschnittlich 46 Euro. 100701 Leistungsberechtigte erhielten einen Mehrbedarf zur dezentralen Warmwassererzeugung in Höhe von durchschnittlich 9 Euro.

e) Wie viele Bezieherinnen und Bezieher von Leistungen der Grundsicherung im Alter haben Anspruch auf eine Grundsicherungsleistung, die höher ist als eine Rente auf Basis von 30 Entgeltpunkten nach Abzug des Eigenanteils an Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung?

Ende 2013 betrug die Rente auf Basis von 30 Entgeltpunkten nach Abzug des Eigenanteils an Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung 757,67 Euro. Bezogen auf diesen Betrag hatten im Dezember 2013 unter 50000 Leistungsberechtigte ab Erreichen der Regelaltersgrenze einen rechnerisch höheren Nettobedarf.

14. Wie hoch liegt aktuell die Armutsrisikoschwelle (bitte nach EVS – Einkommens- und Verbrauchsstichprobe –, EU-SILC – European Union Statistics on Income and Living Conditions –, Mikrozensus und SOEP – Sozio-oekonomisches Panel – getrennt ausweisen)?

Die sogenannte Armutsrisikoschwelle ist eine statistische Kennziffer für die Einkommensverteilung. Sie misst die Grenze, ab der von einem relativ geringen Einkommen ausgegangen wird und liegt nach der Konvention von Eurostat bei einem äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen von 60 Prozent des mittleren Einkommens. Sie steht nicht im Zusammenhang mit dem soziokulturellen Existenzminimum. Ihre Höhe hängt neben der verwendeten Datenquelle von zahlreichen Annahmen ab, die aus normativen und methodischen Gesichtspunkten heraus zu treffen sind. Das betrifft vor allem die Äquivalenzgewichtung und die Höhe des Schwellenwertes. Ursachen für immer wieder auftretende Unterschiede zwischen verschiedenen Datenquellen sind zu sehen
– in den (nicht vermeidbaren) Stichprobenschwankungen,
– in der Repräsentativität der Erhebungen,
– in der Behandlung fehlender oder unplausibler Angaben und
– im verwendeten Einkommensbegriff (hier vor allem in der unterschiedlichen
Berücksichtigung des Mietwertes des selbst genutzten Wohneigentums als Einkommenskomponente).

Die aktuell zur Verfügung stehenden Zahlen aus den verschiedenen Datenquellen können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden.

Armutsrisikoschwelle (60 % Medianeinkommen)
Datenquelle Euro/mtl.
EVS 2008 1063
EU-SILC 2012 979
Mikrozensus 2013 892
SOEP 2011 985

15. a) Wie hoch müsste nach Ansicht der Bundesregierung der Netto-Zahlbetrag einer solidarischen Lebensleistungsrente sein, um Grundsicherungsbedürftigkeit der Betroffenen zu verhindern?

Die Entscheidung, wie die Bundesregierung die Aussagen aus dem Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD zur Einführung, konkreten Ausgestaltung und Finanzierung einer solidarischen Lebensleistungsrente umsetzen wird, ist noch nicht gefallen. Auf die Antwort zu den Fragen 1 bis 5 wird verwiesen. Dies schließt auch Festlegungen zur konkreten Höhe der Leistung ein.

b) Wie kann nach Ansicht der Bundesregierung verhindert werden, dass der Zahlbetrag der Grundsicherung im Alter aufgrund seiner Anpassung, die abhängig von der Entwicklung der Verbrauchsausgaben und Nettolöhne und -gehälter ist, mittelfristig immer häufiger eine Nettorente auf Basis von 30 Entgeltpunkten, die "nur" gemäß der Rentenanpassungsformel angepasst wird, übersteigen wird?

Der Bundesregierung liegen keine belastbaren Erkenntnisse darüber vor, dass die Zahlbeträge der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung künftig stärker steigen werden als die der Renten.

c) Wie viele Bezieherinnen und Bezieher von Grundsicherung im Alter würden bei Einführung der solidarischen Lebensleistungsrente im Jahr 2017 bzw. 2018 ihren Anspruch auf Grundsicherungsleistungen verlieren, wenn die im aktuellen Finanzplan des Bundes bereitgestellten Einsparungen bei der Grundsicherung im Alter in Höhe von 22 Mio. Euro bzw. 49 Mio. Euro voll ausgeschöpft würden?

Es wird auf die Antwort zu Frage 15a verwiesen.

16. Wie hoch müsste nach Ansicht der Bundesregierung der Zahlbetrag einer solidarischen Lebensleistungsrente sein, um relative Einkommensarmut der Betroffenen zu verhindern (bitte nach EVS, EU-SILC, Mikrozensus und SOEP getrennt ausweisen)?

Zwischen einem relativ geringen Einkommen und einem Rentenzahlbetrag im Einzelfall gibt es keinen Zusammenhang.

Das Konzept relativer Einkommensarmut richtet sich nach statistischen Konventionen und legt verschiedene Annahmen zugrunde. Die so ermittelten Äquivalenzeinkommen hängen von der Summe aller Einkommenskomponenten eines Haushalts ab. Eine aussagefähige Gegenüberstellung mit einer einzelnen Einkommensart ist daher nicht möglich."